Neurodermitis ist, was du daraus machst

Leben mit Neurodermitis

„Neurodermitis way of life“ – wie lebt es sich mit Neurodermitis?

NeurodermitisChronisch oder chronisch-wiederkehrende entzündliche Hauterkrankung, die in Schüben verläuft und sich durch Rötungen und Juckreiz äußert. wirkt sich auf sämtliche Lebensbereiche aus:1 von alltäglichen Dingen wie Haushalt oder Einkaufen über Schule und Beruf sowie Freizeitaktivitäten oder die Wahl der Kleidung bis hin zum nächtlichen Schlaf. Daraus ergeben sich manchmal Beeinträchtigungen, die dir sicher bekannt vorkommen – beispielsweise, wenn der Juckreiz dir den Schlaf raubt und du am darauffolgenden Tag nur auf Sparflamme läufst. Für die meisten Patient*innen ist das eine sehr belastende Situation. So schwer es auch fallen mag: Ein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken und sich tatenlos zu ergeben, ist dies nicht. Stattdessen können Betroffene neben Basispflege und Therapie eine ganze Menge tun, um ihre Situation zu verbessern und ihre Lebensqualität spürbar zu steigern. Dabei muss jede/r für sich persönlich herausfinden, an welchen individuellen Stellschrauben sie/er drehen muss, um etwas zu verändern. Den allgemeingültigen „Neurodermitis way of life“ gibt es nämlich nicht.

Das perfekte Wohnumfeld: Mein Zuhause juckt mich nicht

Möglicherweise fragst du dich, was deine Wohnung mit deiner Haut zu tun haben soll. Die Antwort lautet: mehr als du denkst. Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Hausstaub, die Position deiner Möbel – all das beeinflusst die Faktoren, mit denen sich deine Haut tagtäglich auseinandersetzen muss. Eine wichtige Rolle spielt das Raumklima. Hierbei geht es um Faktoren wie Lufttemperatur, Oberflächentemperatur der Wände sowie Luftfeuchtigkeit.2 Je nach Nutzung der Räume sollte sich die Lufttemperatur zwischen 18 und 24 Grad Celsius bewegen. Sinnvoll ist zudem eine hohe Oberflächentemperatur mit möglichst wenig Unterschied zur Lufttemperatur. Denn kalte Wände führen automatisch dazu, dass man friert, auch wenn die Lufttemperatur passt. Die Luftfeuchte sollte bei 45-60 Prozent liegen, unter 45 Prozent trocknen die Schleimhäute aus. In der Folge kommt es vermehrt zu Hautspannungen und die Gefahr von Erkältungen steigt. Mehr als 60 Prozent Luftfeuchte begünstigen hingegen die Entstehung von Schimmelpilzen. Da sich die Luftfeuchtigkeit schlecht schätzen lässt, kann ein sogenanntes Hygrometer dabei helfen, die genauen Werte zu bestimmen.

So optimierst du dein Raumklima2

  • Richtig lüften: 2 x täglich, am besten morgens und abends, solltest du für jeweils 15 Minuten alle Fenster weit öffnen. Deine Wäsche trocknest du idealerweise nur in extra gelüfteten Räumen. Achte bei automatischer Lüftungstechnik auf regelmäßige Filterwechsel, Wartung und Reinigung. Bei Baufeuchte empfiehlt es sich, verstärkt zu heizen und zu lüften. Auch bei Sanierungen solltest du deine Lüftungsgewohnheiten anpassen.
  • Richtig heizen: Grundsätzlich ist es sinnvoll, ausnahmslos alle Räume ausreichend zu heizen. Auch dein Schlafzimmer sollte nicht kälter als 16 Grad Celsius sein. Um deine Heizkosten nicht unnötig in die Höhe zu treiben, empfiehlt es sich darüber hinaus, Türen zu weniger beheizten Räumen zu schließen sowie bei geöffnetem Fenster die Heizkörper abzuschalten und die Heizung nachts abzusenken. Tipp: Fußboden- und Wandheizungen reduzieren den Hausstaub und sorgen mit einer angepassten Oberflächentemperatur für ein angenehmes Wohnklima.
  • Richtig einrichten: Platziere deine Möbel am besten mit einem Abstand von 5 bis 10 cm zur Wand. Lüftungsgitter bzw. Schlitze in Möbelsockeln und Wandleisten sorgen für zusätzliche Hinterlüftung. Auch wenn Pflanzen hübsch aussehen, solltest du lieber sparsam damit umgehen. In kühle Zimmer gehören Pflanzen, die wenig Gießwasser benötigen. Das verringert die Gefahr einer erhöhten Luftfeuchtigkeit, da kalte Luft Feuchtigkeit schlechter aufnehmen kann.

    

So wichtig die genannten Faktoren auch sein mögen, so darf eines jedoch nicht auf der Strecke bleiben: dein Wohlfühlfaktor. Die eigenen vier Wände sind ein Rückzugsort, ein Ort der Erholung, an dem du abschalten kannst und zur Ruhe kommst. Deshalb ist es wichtig, dass du deinem Lebensraum deine persönliche Note gibst und ihn so gestaltest, wie es dir gefällt. Offene, helle Räume mit warmen, freundlichen Farben sorgen bei den meisten Menschen für ein angenehmes Gefühl. Einrichtungsstil und Pflanzen sind dagegen individuell und Geschmackssache. Sei also ruhig kreativ und mach es dir gemütlich!

Hausstaub und Milben: So wirst du sie los

Viele Patient*innen mit NeurodermitisChronisch oder chronisch-wiederkehrende entzündliche Hauterkrankung, die in Schüben verläuft und sich durch Rötungen und Juckreiz äußert. leiden zusätzlich an Allergien. Im Zusammenhang mit Wohnräumen spielen deshalb Hausstaub und Milben eine nicht zu unterschätzende Rolle.2Um den winzigen Widersachern das Leben schwer zu machen, setzen viele Patient*innen auf milbenallergendichte Matratzen-, Kissen- und Deckenbezüge, sogenannte Encasings. Bettwäsche sollte wöchentlich gewechselt und bei mindestens 60 Grad Celsius gewaschen werden. Um zu vermeiden, dass Kuscheltiere zu „Milbenschleudern“ werden, sollten sie alle zwei Wochen für etwa 48 Stunden bei unter minus 18 Grad Celsius tiefgekühlt werden. Das tötet die Milben ab. Getragene Kleidung oder Bettwäsche hat übrigens nichts im Schlafzimmer verloren, denn sie enthält Milben, Pollen und Bakterien, die die Schlafqualität beeinträchtigen können.

Hausstaub entfernt man am besten durch feuchtes Reinigen oder Staubsaugen. Insbesondere glatte Böden haben eine sehr regelmäßige Reinigung nötig, da Staubpartikel hier vermehrt aufgewirbelt werden. Feucht Wischen ist dabei sinnvoller als Staubsaugen. Wer einen Staubsauger mit einem wirksamen Doppel-Filtersystem oder einen Wasserstaubsauger nutzt, reduziert übrigens die Belastung zusätzlich.

Das 1x1 des Putzens bei Neurodermitis

Damit dein Putz-Einsatz sich auch maximal lohnt, gibt es einige Aspekte, die du beachten solltest:3

  • Schütze deine Hände: Wasser entzieht der Haut Feuchtigkeit. Daher solltest du deine ohnehin schon trockene Haut auch beim Putzen davor schützen. Am besten trägst du Putzhandschuhe, unter die als erste Schicht Baumwollhandschuhe gezogen werden, damit die Haut besser geschützt ist. Achtung: Bei einer bestehenden Latexallergie, solltest du zu latexfreien Alternativen greifen.
  • Achte auf Hautverträglichkeit: Verwende hautverträgliche Reinigungsmittel. Orientierung bietet das Logo des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB). Daneben gilt: einfaches Spülmittel genügt zum Fensterputzen. Allzweckreiniger sind übrigens weniger alkalisch als andere Reiniger und daher hautfreundlicher. Desinfektionsmittel sollten nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden.
  • Basispflege nicht vergessen: Empfindliche Haut zusätzlich durch eine gute Basispflege schützen. Reinige die eigene Haut nach der Putzroutine, um sie von etwaigen Rückständen der Reinigungsmittel zu befreien.

Kleider machen Leute: Worauf sollten Menschen mit Neurodermitis achten?

Das Thema Kleidung stellt viele Menschen mit NeurodermitisChronisch oder chronisch-wiederkehrende entzündliche Hauterkrankung, die in Schüben verläuft und sich durch Rötungen und Juckreiz äußert. vor große Herausforderungen, denn vieles, was gerade in Mode ist oder optisch zusagt, wird nicht vertragen.4 Weiche, glatte Stoffe ohne kratzende Fasern sind grundsätzlich die beste Wahl. Betroffene sollten daher eher zu Baumwolle, Leinen und Seide anstatt zu Wolle und Kunstfasern greifen. Heute existieren zudem spezielle Textilien für Menschen mit NeurodermitisChronisch oder chronisch-wiederkehrende entzündliche Hauterkrankung, die in Schüben verläuft und sich durch Rötungen und Juckreiz äußert.. Diese bestehen beispielsweise aus Baumwolle oder Lyocell und haben besondere Eigenschaften: Sie sind mit Zinkoxid versetzt oder enthalten Silberpartikel. Dadurch soll eine antiseptische Wirkung erzielt werden, die sich positiv auf den Juckreiz und das Hautbild auswirkt. Darüber hinaus entsteht ein angenehm kühlender Effekt.

Tipp:

Zu enge Kleidung kann auf der Haut scheuern, die Luft kann nicht zirkulieren und man neigt eher dazu zu schwitzen, was den Juckreiz verstärkt. Ein wirkungsvoller Trick gegen lästiges Scheuern von Pflegehinweisschildchen oder Nähten besteht übrigens darin, diese einfach herauszutrennen bzw. die Kleidung auf links zu tragen.

   

Manchmal sind es aber gar nicht die Stoffe selbst, auf die Betroffene reagieren, sondern Farbstoffe und weitere Allergene, mit denen die Kleidung vorbehandelt wurde – beispielsweise um besonders knitterarm zu sein. Daher empfiehlt es sich, neue Kleidungsstücke vor dem ersten Tragen mehrmals mit einem für Menschen mit Allergien geeigneten Waschmittel zu waschen und gründlich auszuspülen. Label können helfen, sich zu orientieren. Für Personen mit Allergien sind all jene Siegel relevant, die Aussagen über mögliche Rückstände im fertigen Kleidungsstück enthalten bzw. die eine möglichst geringe Menge oder gar den Verzicht auf potenzielle Schadstoffe oder Hilfschemikalien im Herstellungsprozess bescheinigen. Beispiele sind Qualitätssiegel von ECARF, Öko-Tex oder Öko-Test.4

Ablenken statt aufkratzen: Warum Hobbies so wichtig sind

Jeder von uns braucht einen Ausgleich zu Beruf und stressigem Alltag – etwas, das man leidenschaftlich gern tut und wobei man abschalten kann, ein Ventil, mit dem man all seinen Frust ablassen kann. Kurzum jeder braucht ein Hobby. Das gilt auch und sogar ganz besonders für Patient*innen mit NeurodermitisChronisch oder chronisch-wiederkehrende entzündliche Hauterkrankung, die in Schüben verläuft und sich durch Rötungen und Juckreiz äußert., und zwar aus zwei Gründen:

  1. Stress ist ein Triggerfaktor für akute Schübe – umso besser also, wenn er schnellstmöglich abgebaut werden kann.
  2. Wer einem Hobby nachgeht, sorgt für die nötige Ablenkung vom allgegenwärtigen Juckreiz. Am besten klappt dies übrigens, wenn die Hände beschäftigt sind.

Was du machst, ist letzten Endes nebensächlich, Hauptsache du machst etwas. Für die einen ist es Sport, für die anderen Nähen, Malen oder Musizieren oder gar etwas Handwerkliches. Die Liste an möglichen Aktivitäten ist schier unendlich. Finde heraus, was am besten zu dir passt und dir am meisten Spaß macht. Ein praktischer Nebeneffekt ist übrigens, dass du bei Aktivitäten in der Gruppe die Möglichkeit hat, soziale Kontakte zu knüpfen – ein nicht ganz unwichtiger Aspekt, da viele Betroffene mit Stigmatisierung und sozialem Rückzug konfrontiert sind.

Neurodermitis ist, was du daraus machst: Tipps für ein „hautfreundliches“ Umfeld

  • Zuhause ist dort, wo du dich wohlfühlst: Mach es dir also gemütlich und umgib dich mit Dingen, die deinen persönlichen Wohlfühlfaktor steigern.
  • Lass frische Luft rein: Damit sich auch deine Haut in deinen vier Wänden wohlfühlt, solltest du regelmäßig lüften, am besten 2 x täglich je 15 Minuten. Es vertreibt zudem unangenehme Gerüche.
  • Nicht zu feucht und nicht zu trocken: Falls du dir unsicher bist, ob dein Raumklima stimmig ist, nimm ruhig ein Hygrometer zur Hilfe.
  • Milben adé: Um den winzigen Widersachern den Garaus zu machen, solltest du milbenallergendichte Matratzenbezüge verwenden, deine Bettwäsche wöchentlich wechseln und getragene Kleidung schnellstmöglich in die Waschmaschine befördern.
  • Kleider machen Leute: Tue deiner Haut einen Gefallen und achte auf eine gute Hautverträglichkeit. Deine Kleidung sollte nicht zu eng anliegen und möglichst wenig Schadstoffe enthalten. Spezielle Kleidung für Menschen mit Neurodermitis hat positive Effekte auf Juckreiz und Hautbild.
  • Raus aus dem Alltag: Such dir ein Hobby, das dir Spaß macht und einen guten Ausgleich zu Job und stressigem Alltag bietet. Damit tust du nicht nur dir selbst, sondern auch deiner Haut etwas Gutes, indem du Stress abbaust und den Juckreiz durch Ablenkung gewissermaßen austrickst.

   

In deiner Haut steckt niemand geringeres als du selbst und zwar dein ganzes Leben lang. Umso wichtiger ist es, dass du dich darin so wohl wie möglich fühlst – trotz Neurodermitis. Heute gibt es gute Möglichkeiten, dies zu erreichen. Warum sich also mit weniger zufriedengeben? Sprich mit deiner Hautärztin bzw. deinem Hautarzt!

Quellen

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